Leckcheck Nr. 9

Leckageortung richtig vorbereiten

Welche Informationen im Erstgespräch wichtig und hilfreich sind

Eine fachgerecht durchgeführte Leckageortung beginnt bereits beim ersten Kontakt mit dem Kunden. Dabei lassen sich wichtige Anhaltspunkte für die Art und Weise des Schadens gewinnen, der Schaden vielleicht schon im Vorfeld auf ein ursächliches System eingrenzen. Ziel ist dabei nicht die Ferndiagnose, sondern eine Effizienzsteigerung, auch in Hinblick auf die einzusetzende Messtechnik. Ich habe diese Informationen schon auf der Fahrt zum Kunden im Hinterkopf. Hier muss aber auch erwähnt sein, dass diese Informationen aus den verschiedensten Gründen manchmal nicht vorliegen und man vor Ort bei Null beginnt. Dann gilt es die Gesamtsituation und die baulichen Gegebenheiten sehr rasch einzuschätzen.

1. Objekt- und Nutzungssituation

 

Zu Beginn sind die objektspezifischen Rahmenbedingungen zu klären:

  • Gebäudeart (Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, Gewerbeeinheit)

  • Baujahr bzw. Bauphase

  • Geschosslage des Schadens

  • Nutzung des betroffenen Raumes

 

Diese Angaben sind deshalb relevant, weil sich typische Installationsführungen und Schadensmuster je nach Baujahr und Bauweise deutlich unterscheiden. In Mehrfamilienhäusern ist zudem stets die   Schadensübertragung über mehrere Stockwerke zu berücksichtigen.

2. Beschreibung des Schadensbildes

  • Lage der Auffälligkeit (Decke, Wand, Sockelbereich, Boden)

  • Art des Schadens (Wasseraustritt, Verfärbung, Putzabplatzung, Durchfeuchtung)

  • Flächenausdehnung und Intensität

  • Zeitliche Entwicklung

 

Bereits aus der Beschreibung lässt sich häufig ableiten, ob es sich um eine akute Leckage oder um eine länger bestehende Durchfeuchtung, also einen schleichenden Schaden  handelt.

3. Zeitlicher Zusammenhang

 

Der zeitliche Verlauf ist in der Praxis oftmals ein entscheidender Hinweis.

Abzuklären ist insbesondere:

  • Tritt der Schaden dauerhaft oder nur zeitweise auf? Sporadischer Wasseraustritt?

  • Besteht ein Zusammenhang mit bestimmten Nutzungen, beispielsweise Duschen, Baden oder WC-Betätigung?

  • Zeigt sich der Schaden auch bei Abwesenheit?

  • Besteht ein erkennbarer Zusammenhang mit Niederschlagsereignissen?

 

Ein nutzungsabhängiges Auftreten spricht eher für eine Abwasserproblematik, während ein kontinuierlicher Wasseraustritt auf Druckleitungen hindeuten kann. Wetterabhängige Schäden sind gesondert zu bewerten.

4. Installationssituation

  • Befinden sich oberhalb oder angrenzend Nassräume?

  • Sind Versorgungsschächte vorhanden? Wo?

  • Gibt es Absperrventile für einzelne Bäder, Steigstränge etc.
  • Ist eine Fußbodenheizung verbaut?

  • Wurde ein Druckverlust an der Heizungsanlage festgestellt?

 

Diese Informationen beeinflussen maßgeblich die Auswahl der späteren Prüfmethoden und die Reihenfolge der Untersuchungsschritte. Obige Aufzählung lässt sich natürlich beliebig fortsetzen.

5. Vorangegangene Maßnahmen

 

Von erheblicher Bedeutung ist die Frage, ob bereits im Vorfeld Maßnahmen vorgenommen wurden:

  • Wurde das Wasser abgestellt?

  • Wurde die Heizungsanlage nachgefüllt? Wann zuletzt und in welchen zeitlichen Abständen?

  • Wer hat welche Vorarbeiten geleistet? Installateur? Heizungsbauer?
  • Wurden Instandsetzungsmaßnahmen ergriffen, der Schaden trat dennoch erneut auf

 

Solche Maßnahmen können das Schadensbild verändern und die Interpretation der vorgefundenen Situation maßgeblich beeinflussen, 

6. Klärung Auftraggeber und Kostenübernahme

 

Neben den technischen Rahmenbedingungen ist im Erstgespräch eindeutig zu klären, wer Auftraggeber ist und in welchem Verhältnis die Beteiligten zueinander stehen.

 

Zu differenzieren ist insbesondere:

 

  • Handelt es sich um einen Eigentümer, Mieter oder eine Hausverwaltung?

  • Erfolgt die Beauftragung im eigenen Namen oder im Auftrag Dritter?

  • Liegt bereits eine Schadenmeldung bei einer Versicherung vor?

  • Ist ein Installationsbetrieb oder ein anderer Fachbetrieb bereits involviert?

Eine klare Kommunikation in diesen Punkten verhindert spätere Missverständnisse. 

Fazit:

Ich gehe bei einem Auftrag so strukturiert wie möglich vor. Dazu zählt das Einholen obiger Informationen. Besonders wichtig aus meiner Sicht: Zuhören. Allen Beteiligten genau zuhören.